U.a. Weihnachten …

Predigt zu Lukas 2, 19
– Von Prioritäten, Herzenswörtern und Weihnachtsstress.
Unter anderem steht gerade Weihnachten vor der Tür.
Ich las neulich den Satz:
Es gibt 4 Eskalationsstufen in Deutschland: 1. Advent, 2. Advent, 3. Advent, 4. Advent.
 
Das Gefühl hat man wirklich, wenn man sich an einem Samstag in eine Fußgängerzone oder auf den Weihnachtsmarkt begibt. Nicht ohne Grund gibt es das Sprichwort (in Anlehnung an Goethes Gedichtsammlung):
Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von Feiertagen.
Ist es doch so, dass wir aus dem Alltag ins Fest und wieder in den
Alltag stolpern. Wer hat heute schon noch Zeit? Wir wählen heute nicht mehr aus, ob wir einen Termin wahrnehmen oder eben Freizeit haben. Sondern wir wählen zwischen mehreren Terminen und Angeboten. Die Alternative zur einen Veranstaltung ist doch eine oder mehrere andere.
Was muss sein? Was ist das Dringlichste? Oder: Was ist wichtiger?
Unter anderem ist dann auf einmal Weihnachten.
Irgendwie bin ich dieses Jahr gar nicht so richtig in Weihnachtsstimmung.
Was ist denn Weihnachtsstimmung? Ist es die Temperatur und der Schnee? Das
Plätzchenbacken mit den Kindern? Die Lichter und der Duft nach Kerzen, Lebkuchen und Glühwein? Ist es ein Gefühl? Das Gefühl von Frieden, das entsteht, wenn wir romantisch vor einem geschmückten Baum sitzen und gemeinsam
traditionelle Lieder singen? Ist es eine Erinnerung an frühere Feste? An Weihnachten als Kind mit den Eltern und Geschwistern. Den Großeltern.
Ist es die weiße Weihnacht?
Die Wetteraufzeichnungen zeigen sehr deutlich, dass selbst die so
oft dazugehörige weiße Weihnacht mehr Mythos als Realität ist.
Doch keiner ist wirklich bereit, auf die Hektik vor dem Weihnachtsfest zu verzichten.
Sind wir mit dem Weihnachtsstress womöglich sogar recht biblisch
unterwegs?
Stille Nacht oder eine besinnliche Zeit? Was ist damit gemeint?
Selbst die biblische Erzählung ist doch voller Vorbereitung und
Stress. Der Engel des Herrn hat viele Nachrichten zu überbringen:
Erst ist er bei Zacharias und Josef, dann bei Maria. Schnell noch den
Hirten auf dem Felde die frohe Nachricht gebracht.
Die Menschen überfüllen wegen einer dusseligen Volkszählung die
Landstraße und die Herbergen sind überbucht. Keine Zeit zum
Verschnaufen, nicht einmal für die Hirten, die mitten in der
Nacht losgehen müssen. Dann jagt ein Event das nächste, Geburt unter
primitiven Bedingungen, jede Menge Besuch, himmlische Chöre,
strahlender Himmel, Licht und wieder mal eine Rede des Engels.
Doch was kommt dann?
Oder anders gefragt: Was bleibt, wenn der Menschenstrom versiegt
ist. Wenn der Glühweinstand schließt, die Messe gelesen ist?
Müll, Sodbrennen und ein leichter Kopfschmerz?
Die Vorbereitungen für das nächste Event? Silvester steht vor der Tür, eilt euch!
Dann steht da mitten in der Weihnachtsgeschichte in Lukas 2 dieser
eine Satz:
Aber Maria prägte sich alle [ihre] Worte gut ein und dachte viel darüber nach.(basisbibel)
 oder wie es in der Lutherbibel steht:
Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.
(Lukas 2, 19)
Was hat für Maria Bestand gehabt in dieser Zeit?
1. Was bleibt?
Was bleibt von Weihnachten?
Oder anders gefragt: Was bleibt von meinem Christsein im Alltag übrig?
Die Band Silbermond besingt es in einem ihrer bekannten Hits
(eigentlich auch eine schönes Weihnachtslied):
Gib mir’n kleines bisschen Sicherheit
In einer Welt in der nichts sicher scheint
Und gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas das bleibt.
Weihnachten passt nie so richtig in diese Welt!
Vielmehr nimmt es sich immer wieder Raum. Bremsend und eckig.
Missverstanden und überladen.
So ist es mit der Geburt eines Kindes oder auch mit dem Sterben
eines geliebten Menschen. Es passt nicht in unsere Pläne, in unseren
Stress. Es entzieht sich unserer Kontrolle. Und ist auf einmal einfach
da.
Das war zur Zeit Jesu nicht anders als heute.
Damals ein Kind unter den herrschenden Umständen zu bekommen.
Schwanger, ohne verheiratet zu sein. Mit dem Verlobten auf die Reise ohne Zimmerreservierung und richtige Vorbereitung. Mitten in dieses Chaos hinein wird der Retter der Welt geboren. Im Sturm der Angst und in die Hektik der Ungewissheit gibt es ein Flüstern – oder ist es ein Schrei?
Friede auf Erden! Es gibt Rettung!
Diese Worte muss man erst einmal wahrnehmen. Maria tat das. Sie
hörte zu und sie hörte hin.
Was für eine großartige Charakter-Eigenschaft: Zuhören, was ein anderer sagt.
Nicht, was die Werbespots und Verkäufer herausschreien. Sondern zu hören, was ein Engel sagt.
Gott ist mit dir. Fürchte dich nicht. Du bist auserwählt.
Maria hört, was die ersten Gäste sagen – es sind einfache Hirten, die
direkt von der Arbeit kommen. Sie sprechen von Rettung, von Frieden für die Welt. Von einem Gott der Liebe sprechen sie. Maria hörte diese Worte. Vielleicht verstand sie manches in diesem Augenblick noch nicht. Doch sie merkte sich jedes Wort (so übersetzt es die Hoffnung für alle). Mehr noch – sie ließ diese Worte in ihr Herz. Es war das, was für sie blieb. Was Bestand hatte. Woran sie sich erinnerte und immer wieder festhielt. Sie bewegte es. Sie hielt die Worte in Bewegung. In ihr blieb es lebendig.
Man sagt:
Der Kopf ist rund, damit die Gedanken auch mal die Richtung wechseln können.
Vielleicht ist deshalb auch das Herz rund? Oder zumindest oval ;).
Und ich bin mir sicher, dass es Worte waren, die Maria in schweren Zeiten trugen.
Wenn Klein-Jesus mal wieder Probleme machte, wenn das Geld nicht reichte. In Verfolgung. Im Leben in einem besetzten Land. Sie hatte Worte des Lebens in ihrem Herzen. Keiner konnte ihr diese Worte nehmen.
Gott ist mit dir. Fürchte dich nicht. Du bist auserwählt. Du bist gerettet. Gott ist Liebe.
2. Worte des Lebens im Herzen sammeln
Maria nutzt ihr Herz wie eine Mischung aus Poesie-Album und Tagebuch.
Kennt ihr den Film „Forrest Gump“?
Diese berühmte Szene an der Bushaltestelle. Das bekannte Zitat:
Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man bekommt.
Ich möchte dieses Zitat weiterdenken:
Weihnachten ist wie eine Praline: Auf die Füllung kommt es an.
Beim Herzen ist das genauso. Auf die Füllung kommt es an.
Wer mag schon Pralinen, die bittere Galle enthalten? Oder welche, die hohl sind? Voller Freude beißt man hinein und schmeckt dann entweder etwas Abscheuliches oder eben gar nichts. Nein, das sind keine guten Pralinen.
Was füllt dein Herz aus? Hast du Herzenssätze? Sätze die du, wie Maria, abgespeichert hast. Nicht nur auswendig im Kopf, sondern die vom Kopf ins Herz
gerutscht sind?
Sätze die dein Herz vor dem Zerbrechen bewahren? Die dir Hoffnung, Frieden und Wärme schenken?
Sätze die in ihrer Bedeutung immer tiefer und reicher werden?
Versuche mal einen solchen Herzenssatz aufzuschreiben. Diesen Satz kann man sich einstecken. In die Handtasche, ins Portemonnaie, in die Hosentasche.
Da es ein Satz ist, den du bereits im Herzen trägst, kannst du diesen
Satz auch verschenken. Er kann ein Geschenk an eine andere Person sein.
Schau mal, was für mich ein Satz ist, der mir Mut macht und mich trägt. Ich gebe ihn an dich weiter. Vielleicht wird er auch dir zum Herzenssatz.
Ich mache euch Mut dazu.
Das ist nicht nur eine Überlebensstrategie für stressige Weihnachtstage. Das ist eine Lebensphilosophie.
Im Weihnachtslied „Mit den Hirten will ich gehen“, heißt es in Strophe 4 und 5:
Mit Maria will ich sinnen
ganz verschwiegen und tief innen
über dem Geheimnis zart:
Gott im Fleisch geoffenbart.
Mit dir selber, mein Befreier,
will ich halten Weihnachtsfeier;
komm, ach komm ins Herz hinein,
lass es deine Krippe sein.
Wo sollten wir Worte des Lebens hören, wenn nicht bei Jesus Christus selbst?
Worte des ewigen Lebens kommen von IHM. So hat es Petrus erkannt. Worte die nicht leer sind, sondern unser Herz direkt ansprechen.
Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens (Johannes 8, 68 LUTH)
Weihnachten, das Fest der Liebe und Zuversicht, will kein hohles Event bleiben. Es will großartig gefeiert werden, um uns zu tragen mit der Erinnerung an Frieden und Festlichkeit, an Musik und gute Gespräche. Es wird uns tragen, wenn wir die Worte von der Versöhnung im Herzen bewahren. Es wird uns Mut machen, als Christen im Alltag zu leben.
Ich wünsche uns, dass unsere Ohren und Herzen zur rechten Zeit
offen sind. Dass Worte des Lebens in sie fallen. Das sie bleiben, sich bewegen und uns tragen.
Amen

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