Bin ich eigentlich evangelikal?

Immer wieder begegnet mir die Bezeichnung „evangelikal“. Mal sind es die weißen Trumpwähler aus dem Süden der USA, mal kinderschlagende Fundichristen in Deutschland. Mal Demonstranten gegen die „Ehe für alle“ oder ausländerfeindliche AFD-Sympathisanten. Mal christliche Fundamentalisten und Bibel-Wörtlich-Nehmer. Gibt es positive Vorurteile? Nie welche gehört.
Bald entspann sich auch auf Twitter eine lebhafte Diskussion über Begriff und Definition. Wen meint man mit „den Evangelikalen“? Was ist Evangelikalismus überhaupt? Was ist Vorurteil und was haben diese christlichen Gruppierungen gemein? Die von mir sehr geschätzen Podcaster von „Hart aber herzlich“ widmeten dem Thema sogar eine Folge ihrer koffeingetränkten Gespräche: https://soundcloud.com/user-957777934/16-hat-der-begriff-evangelikal-ausgedient

Warum interessiert mich das alles überhaupt?
Mein Problem ist wohl, dass ich mich persönlich angesprochen fühle. Bin ich doch angestellter Gemeindereferent des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R. (BEFG oder auch Baptisten).

Bisher hielt ich mich für einen evangelikalen Christen.

Ich kenne die Arbeit der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) und der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Stehen sie doch als Repräsentanten der deutschen Evangelikalen da? Mir begegnen ab und zu Angehörige der großen russlanddeutschen Gemeinden aus meinem Ort. Ich fühle mich nicht verpflichtet, Positionen dieser Verbände gut oder schlecht zu finden. Ich bilde mir eine Meinung, wie zu Aussagen des Papstes und anderen, die für andere zu stehen meinen.

Auf die Vorurteile und Verallgemeinerungen, meinte ich, reagieren zu müssen. In vielem denke ich durchaus konservativ und tue mich schwer mit mancher liberalen und kritischen Bibelauslegung. Doch ich schlage meine Kinder nicht. Bin tätowiert. Ich werde mein Kreuzchen nie bei AFD, NPD o.ä. machen. Meine Frau sitzt im Gottesdienst neben mir. Mit Hosen und ohne Kopftuch – ja, sie darf leiten und predigen, wenn sie den Wunsch hat. Ich bin überzeugt davon, dass alle Menschen die gleichen Rechte und den gleichen Wert haben – gerade weil Gottes Liebe allen Menschen gilt. Ich glaube an Wunder, an Heilung, an Prophetie und trotzdem sehe ich einige Aussagen der Bibel kritisch. Das scheint alles so unevangelikal zu sein.
Es geht bei der Diskussion irgendwie auch um meine Identität. Sollte ich etwa auch einer dieser durchgedrehten Typen sein? Klingt doch so schaurig schön nach Begriffen, wie „radikal“, „fundamental“ und was weiß ich für „-Als“ oder „-Ismen“.

Ich begann Definitionen zu suchen. Schubladen zu finden, in die ich andere und mich stecken konnte. Ich nahm mir vor eine Liste zu erstellen, wer denn in Deutschland nun dazugehörte und wer nicht.
Zum Glück haben sich andere diese Arbeit bereits gemacht. Es gibt das „Handbuch Evangelikalismus„. Und es braucht „nur“ gut 400 Seiten, um einen roten Faden aufzunehmen. Vielleicht lese ich es sogar mal.

Gerade jetzt ist es mir völlig egal, wer meint alle Christen in Kategorien einordnen zu müssen. Vermutlich, weil ich heute meinen freien Tag habe ;).
Rechts, links, oben unten, ein- oder mehrfarbig. Gewalt ist nie okay.
Wenn du mich und meinen Glauben kennenlernen möchtest, musst du dir die Zeit nehmen mit mir zu sprechen. Ganz oldschool face to face bei einem Becher Kaffee (etwas fettarme Milch, kein Zucker). Und ich würde gerne erfahren, wie du glaubst und was dir wichtig ist.
Bin ich evangelikal? Keine Ahnung. Jein.
Ich liebe Jesus Christus und glaube, dass er die Liebe selbst ist. Das kannst du bewundern oder bescheuert finden. Von ihm lerne ich Friedensstifter zu sein. Ich möchte Segen für andere sein. Ich bin fehlbar und nicht der Maßstab für andere – Gott sei Dank!

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